ARNSBERG-VOßWINKEL.

Fliegen war seine große Leidenschaft und seine eigene Freude am

Luftsport vermittelte er auch unzähligen jungen Menschen in der Region.

Mit 96 Jahren ist der bekannte Arnsberger Fluglehrer Josef „Jupp“ Bartmann

am Donnerstagmittag, 19. April 2018, im Senioren-Zentrum

am Bremers Park in Neheim verstorben.

Wie der Luftsportclub (LSC) Arnsberg mitteilte, war Bartmann nicht

nur Gründungsmitglied und langjähriger Ausbilder des Vereins sondern

bis vor wenigen Monaten wohl der älteste aktive Pilot in ganz Deutschland. 

Der Luftsportclub (LSC) Arnsberg hat seinen „Falken“, ein Motorsegelflugzeug

des Typs „SF 25“, sogar nach „Jupp“ Bartmann benannt und mit seinen

Initialen gekennzeichnet.

Zig tausend Stunden am Steuerknüppel von Segel- und Motorflugzeugen

Josef Bartmann war ein „Überflieger“ im wahrsten Sinne des Wortes. Zig tausend Stunden seines Lebens verbrachte er am Steuerknüppel von Segel- und Motorflugzeugen. Zuletzt ging er sogar noch mit Rollator aufs Rollfeld des Flugplatzes Arnsberg-Menden (FAM), um mit seinen ehemaligen Flugschülern und alten Kameraden eine Runde im Flugzeug über seine Sauerländer Heimat zu drehen. Mitte des letzten Jahres hob er letztmals von der Start-und Landebahn des Flugplatzes Arnsberg-Menden (FAM) oberhalb des Dorfes Echthausen ab.

Seit 1937 als Pilot in der Luft unterwegs.

Am 5. Mai 1921 in Müschede geboren, begeisterte sich Josef Bartmann bereits seit Kindertagen für die Luftfahrt, nachdem er 1928 als siebenjähriger Junge einen Zeppelin beobachtet hatte, der über ihm am Himmel schwebte.

Ab Mitte der 1930er Jahre machte Josef Bartmann dann die Ausbildung zum Segelflieger. Bereits als 16-Jähriger absolvierte er 1937 die sogenannte A-Prüfung in Meschede-Schüren.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Josef Bartmann dann 1939 zur Luftwaffe eingezogen, wo er erst als Mechaniker in der Wartung der Maschinen, seit 1940 als Pilot und seit 1942 auch als Fluglehrer eingesetzt war. Mit der legendären JU 52 und anderen Flugzeugen machte er während des Russlandfeldzuges der deutschen Armee unter anderem Versorgungsflüge in den umkämpften Kessel von Stalingrad und nahm auf dem Rückweg jeweils Verwundete mit in die Heimat. – Dabei wurde seine zweimotorige Maschine 1943 mit Besatzung und einem Dutzend Verletzten an Bord von gegnerischen Truppen beschossen und getroffen. Trotzdem schaffte Josef Bartmann durch eine Notlandung wie im Segelflug noch alle ihm anvertrauten Soldaten lebend bis zum Boden zu bringen. Vom Landeplatz in Feindesland aus schlug er sich schließlich mit seinen Kameraden über den zugefrorenen Don bei Nacht und Nebel bis zu den deutschen Linien durch.

Aus amerikanischer Gefangenschaft rund 700 Kilometer nach Hause geflüchtet

Am 4. Mai 1945, einen Tag vor seinem Geburtstag, geriet Josef Bartmann für eine Nacht in amerikanische Kriegsgefangenschaft. – „Doch als Pilot liebte Jupp die Freiheit, wie sie über den Wolken herrscht, und floh aus der Gefangenschaft von Priem am Chiemsee ins heimische Sauerland“, hieß es in einer Laudatio zu seinem 90. Geburtstag. Und weiter: „Sein Wunsch: an seinem ersten Hochzeitstag am 25. Mai bei seiner Hildegard zu sein. Leider schaffte er es nicht. Er kam erst drei Tage später an.“

Er selbst berichtete in einem Interview über diese Flucht: „Mit einem Hechtsprung habe ich mich aus der Reihe in ein Gebüsch verabschiedet. Es folgte ein wochenlanger 700 Kilometer weiter Fußmarsch in meine Heimat ins Sauerland bei sommerlicher Hitze.“ – Es sei die längste Wanderung seines Lebens gewesen, so Bartmann.

Mitbegründer des Luftsportclubs

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Josef Bartmann 1951 einer der Mitbegründer des Luftsportclubs Neheim-Hüsten. Als passionierter Bastler und gelernter Mechaniker baute er 1952/1953 dann erstmals selbst ein Segelflugzeug. Und seit 1958 fungierte er als Segelfluglehrer in Arnsberg und Oeventrop. 1968 erfolgte dann die Erneuerung seiner Pilotenlizenz für Motorflugzeuge in Dortmund.

 

Beauftragter für Luftaufsicht am neuen Flugplatz in Echthausen 

Zwischen 1971 und 1984 war Josef Bartmann unter anderem Beauftragter für Luftaufsicht am neuen Flugplatz in Echthausen (anfangs noch zum Amt Hüsten und Alt-Kreis Arnsberg gehörig) und am Segelflugplatz im Alten Feld in Arnsberg.

Seit den 1970er Jahren arbeitete er einige Jahre als Berufspilot und dann als Fluglehrer. Unter anderem leitete er auch einige Jahre die Flugschule des Luftsportclubs (LSC) Arnsberg.

Drei Kinder mit seiner Ehefrau Hildegard

Mit seiner Ehefrau Hildegard, die 2015 im Alter von 90 Jahren verstorben ist, hat Josef Bartmann drei Kinder: die Söhne Hans-Günter und Claus sowie die Tochter Marlies. Alle machten ebenfalls einen Flugschein. Sein ältester Sohn Hans-Günter war sogar Jet-Pilot bei der Bundeswehr und bei der Lufthansa.

Bis zu einer gesundheitlich notwendigen Rund-um-die-Uhr-Betreuung vor einigen Monaten lebte Josef Bartmann mit der Familie seiner Tochter im Binnerfeld.

Neben der Fliegerei liebte der Senior bis ins hohe Alter das Wandern und Skifahren im österreichischen Kernten und in seiner Sauerländer Heimat. 

Bis kurz vor Ostern 2018 war er sonntags noch häufig zu Gast beim Flieger-Stammtisch des LSC Arnsberg im Restaurant JU 52. Denn Bartmann war ein geselliger Mensch, der neben der Technik unter anderem die Musik liebte.

Beerdigt wurde Josef Bartmann am  Mittwoch, 25.04.2018

auf dem Waldfriedhof „Rumbecker Holz“ neben dem Grab seiner Frau.

Außer drei eigenen Kindern hinterlässt er mehrere Enkel und Urenkel.

Bei seiner Bestattung kreiste der Motorsegler "Falke" über den Friedhof, was sich Josef „Jupp“ Bartmann gewünscht hatte.

(Mit freundlicher Genehmigung) ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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