AlpenausFlug des Luftsportclubs Arnsberg (LSC) 2017

Die Sonne scheint! Schönes Wetter! Es ist Sommer! Ideales Wetter für Flieger, insbesondere für Sichtflieger (VFR). So war vor Wochen die Idee aufgekommen, das heimische Flachland zu verlassen und die Alpen fliegerisch zu erkunden. Aufgrund der hohen Berge und der Besonderheiten des Wetters stellen die Alpen immer eine besondere fliegerische Herausforderung dar. Das fliegerische Wissen über Druckhöhen, Dichtehöhen und Wetterbesonderheiten wie Föhn, Talwinde, Fallwinde usw. ist plötzlich wieder gefragt und muss aktualisiert werden. Einige Fliegerkollegen waren schon häufiger in den Alpen unterwegs und standen mit Rat und Tat bei der Planung und Durchführung zur Seite.

Das größte Problem bei diesen Flügen stellt wohl - neben der Routenplanung über die verschiedensten Pässe und durch die Täler, entlang an Flüssen und Straßen - das Wetter dar. Auch bei den heutigen modernen Methoden der Wettervorhersage ist eine einigermaßen sichere Prognose erst ca. 3 Tage im Voraus zu treffen. „Ready for take off“ ins „Abenteuer Alpen“ sollte am Samstagvormittag sein. Also war Mittwoch der Tag der Entscheidung!

Wetterfrosch "Wolke" sah die Sache erstaunlich positiv und so verabredeten sich die Flieger für Samstag 8:00 Uhr am Flugplatz Arnsberg Menden FAM in Voßwinkel. Routen und Etappenziele waren im Vorfeld ausgiebig diskutiert und geplant worden.
 

Aufgrund einer kurzfristig eingetretenen labilen Wetterlage - auch der Deutsche Wetterdienst gab sich bei der obligatorischen Flugwetterberatung hierüber verblüfft - hatten sich die Randbedingungen für den Samstagmorgen deutlich geändert. Von CVOK (Clouds and Visibility OK) wie wir Flieger sagen, keine Spur. Also hieß es, die Route den veränderten Wetterbedingungen anzupassen. Statt direkt über das Sauerland in Richtung Süden zu fliegen, wurde eine alternative Routenführung Richtung Rheinland und Köln gewählt.

Um 9:30 Uhr konnte mit vier Vereinsflugzeugen gestartet werden. Der erste Schritt war getan.

Die Route führte über Köln und das Rheintal nach Koblenz, Bingen und Mannheim zum Bodensee. Dort, an der südlichen Seite des Bodensees, liegt Hohenems/Dornbirn in Österreich, unser erster Landeplatz zum Tanken.

Es wurde dort aber nicht nur getankt, sondern erneut das Wetter hinterfragt, um einen sicheren Flug über den Alpenhauptkamm zu gewährleisten.

Hierzu ging es weiter mit Zürich Radar den Oberlauf des Rheins hinauf, an Bad Ragaz und Chur vorbei. Die Berge türmten sich immer höher links und rechts des Flugzeugs auf und waren letztendlich höher als unsere Flugroute, die sich auf 8.500 Fuss befand. In den Tälern wird immer schön „rechts“ geflogen, wie vom Straßenverkehr gewohnt. Eine beeindruckende und majestätische Kulisse.

Über den Splügenpass mit seinen 6.932 Fuss ging es dann Richtung Comer See nach Italien. Nach einer kleinen Ehrenrunde über dem See flogen die vier Flugzeuge dann in Richtung Osten, in das Tal der Adda hinein und landeten für das erste Etappenziel in Caiolo / Sondrio.

Italienische Verhältnisse mit einem schönen Abend bei 28 Grad und Pizza, Eis und Vino bianco auf der Piazza in Caiolo rundeten den Flug ab.

Am nächsten Morgen wurde trotz strahlendem Sonnenschein das Flugwetter gecheckt. Zwei Dinge sind beim Sichtfliegen „gefährlich“: die Erde und das Wetter. Also ist Sorgfalt angesagt! Planmäßig wurde die Route weiter entlang dem Fluss Adda fortgesetzt. Der Lago d’Iseo und der Lago di Garda wurden überflogen und begeisterten durch ihr türkisfarbenes Wasser. Über Rovereto, Trento und Kaltern folgte die Route dem Flusslauf der Etsch. Vorbei ging es an der Seiseralm nach Bolzano und von dort entlang der Eisack Richtung Osten nach Bruneck. Die Route folgte weiter dem Flusslauf der Rienz im Pustatal Richtung Österreich. Hier wurde die Wasserscheide zwischen Adria und dem Schwarzen Meer überflogen und entlang der Drau ging es dann zum Flughafen in Lienz St. Nikolai, südlich des Großglockners.

Dort wurde erneut getankt und das zu erwartende Wetter für den Rückflug kontrolliert. Hierbei zeigte sich, dass für die Zentralalpen eine deutliche Wetterverschlechterung vorhergesagt wurde. Derartige Wetteränderungen können in den Alpen sehr schnell auftreten und sich auf einzelne Täler konzentrieren. Insbesondere Innsbruck war von dieser Wetterverschlechterung betroffen.


 

Daher wurde kurzfristig entschieden, die Zentralalpen zu meiden und die Route für den geplanten Rückflug über Zell am See und St. Johann in Tirol zu ändern.

Die neue Routenführung ging nun östlich am Großglockner vorbei über Mauterndorf, dem höchstgelegenen Flugplatz in Österreich, Spittal und dem Katschberg direkt auf Salzburg zu. Die Entscheidung, die Route zu ändern, war richtig und wurde durch einen problemlosen Weiterflug belohnt. Als letzter Tankstopp wurde Eggenfelden bei leichtem Regen angeflogen. Leider nicht genug Regen, um beim späteren Putzen der Flugzeuge zu helfen!

Mit vollen Tanks traten die Maschinen von Eggenfelden den Rückweg an. Nach einem erlebnis- und erfahrungsreichen Alpenausflug ging es im Formationsflug zurück über Nürnberg direkt nach Arnsberg. Gewitter im Rücken und Unwetterwarnungen für den Großraum München und Ingolstadt zeigten, dass wir fliegerisch und wettertechnisch alles richtig gemacht wurde.

Um 19.15 Uhr landeten alle Vereinsflugzeuge wohlbehalten auf dem Flugplatz Arnsberg Menden FAM.

Das Fazit aller Mitflieger: Es war ein toller Flug, ein tolles Erlebnis und fliegerisch viel hinzugelernt!

Das wiederholen wir, eventuell - wenn das Wetter es so will - auch einmal in eine andere Richtung! (© WK)

Hier noch ein paar Bilder von einem tollen Ausflug über die Alpen

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