AusFlug des LSC Arnsberg nach Marseille

Nach dem ersten diesjährigen Alpenausflug kam die Idee auf, einen weiteren AusFlug in die Alpen zu unternehmen. Immerhin war das Interesse beim ersten AusFlug größer als die verfügbare Anzahl an Piloten-Plätzen.

 

Der Grundstein für einen weiteren Alpen AusFlug war also gelegt und ein neuer Termin vom 29.9. bis 1.10. schnell fixiert. Hierbei wurde dem einzigen Kritikpunkt des ersten Alpen AusFlugs Rechnung getragen: 2 Tage sind zu kurz! Also war der Plan von Freitag (mittags) bis Sonntag zu fliegen.

 

Erneut wurde intensiv das Wetter beobachtet und auf verschiedenen Treffen analysiert und diskutiert. Spätestens nach dem letzten gemeinsamen Treffen am Mittwoch vor dem Start war klar, dass ein erneuter AusFlug in die Alpen schwierig würde. Ein Hinflug zum Comer See erschien zwar noch möglich, aber ein Rückflug ab Samstag war äußerst schwierig, wenn gar unmöglich. Weder nach Norden, weder nach Süden wieder aus den Alpen heraus.

 

Trotz dieser widrigen Anfangsbedingungen trafen sich alle Piloten wie vereinbart am Freitag um 12 Uhr am Flughafen. Schnell bestand Einigkeit, dass ein anderes Ziel gefunden werden musste. Leider zeigten alle Wetterprognosen, dass am Samstag zuverlässig mit einem intensiven und lückenlosen Regenband über Spanien, Frankreich, Deutschland und Skandinavien zu rechnen sei. Einziger Vorteil des Regenbandes war, dass es relativ schmal war.

 

So wurde entschieden, vor diesem Regenband nach Süden zu fliegen, um dann den Regen im Süden abzuwarten und am Sonntag entlang des Rückseitenwetters zurück zu fliegen. Schnell wurden neue Pläne ausgearbeitet und die Routenidee mit der Wetterberatung abgestimmt. Über Saarlouis, Lyon nach Marseille. Zusätzlich zu der Flugvorbereitung wurden auch die Flugpläne über das AIS-Centre aufgegeben.

 

Gegen 15 Uhr, 2 Stunden später als geplant, ging es los. Mit FIS Langen wurde der Flug nach Saarlouis als Tankstopp begonnen. Im Fluge wurde der der Flugplan von Saarlouis nach Lyon verschickt, nachdem die voraussichtliche Startzeit in Saarlouis feststand. Bei bestem Wetter verlief der Flug problemlos. Doch ein Anruf auf dem Handy irritierte während des Fluges. Es wurde die Nummer vom AIS-Center (Flugplan) angezeigt. Eine Verständigung war nicht möglich. Im Flugplan wird die Handynummer für Beratungen angezeigt. Ein Rückruf vom AIS-Centre, das war neu, das gab es bisher nicht. Gab es ein Problem mit dem Flugplan? Schnell wurde die Bluetooth Verbindung zum Headset aktiviert (wer will schon Telefongespräche während des Fluges). Erwartungsgemäß meldete sich das AIS-Centre erneut.

 

Man informierte, dass der Startflugplatz in Kroatien liege und man daher den Flugplan nicht annehmen könne. Dass sind die Tücken der modernen Technik, wenn man einen „alten“ Flugplan als Basis kopiert. Da die telefonische Verständigung schlecht war (AIS-Centre war über Kopfhörer zwar gut zu verstehen, verstand allerdings selber nichts), wurde kurzerhand aufgelegt und im Flug ein neuer, korrigierter Flugplan aufgegeben für beide Flugzeuge aufgegeben. Damit konnte eine unnötige Wartezeit in Saarlouis zur Aktivierung des Flugplanes vermieden werden.

 

Mit den vielfältigen Möglichkeiten an Bord, iPad, iPhone, Hotspot und Internet war eine Lösung des Problems möglich. Natürlich geht dies nur bei entsprechender Flughöhe. Mit der Flughöhe 3000 Fuss war dies kein Problem. Der restliche Flug verlief problemlos.

 

Frankreich irritiert immer wieder mit den mannigfaltigen Lufträumen, die alle berücksichtigt und respektiert werden wollen. Daher wurde eine Routen- und Höhenführung in Frankreich gewählt, die es ermöglicht, ohne jeden Funkkontakt mit FIS Straßburg, Lyon, Marseille und Co. den Flug durchzuführen.

 

Soweit die Vorbereitung und die Theorie! Die Realität in Frankreich sieht dann allerdings hochgradig entspannt aus. FIS ist permanent verfügbar, hoch professionell und kümmert sich intensiv auch um VFR Flüge.

 

Der Hintergrund scheint zu sein, dass es eigene Bereiche für FIS oberhalb 7500 Fuss und unterhalb 7500 Fuss gibt. Damit hat FIS in Frankreich eher den Charakter von RADAR und bietet eine perfekte Unterstützung für den kompliziert erscheinenden Luftraum von Frankreich.

 

Letztlich hat uns FIS jeden REQUEST nach HEADING und/ oder ALTITUDE kurz und bündig genehmigt.

 

So war es kein Problem Lyon Le Bron LFLY zu erreichen. Zwei Minuten vor Sonnenuntergand bekamen wir die Freigabe zum Einflug in die Kontrollzone mit direktem HEADING zum Platz. „Report final.“ Der Flugplatz ist sehr beliebt und wickelt den Zusatzverkehr ab, der für Lyon St. Exupéry nicht geeignet ist. So mussten wir uns in die Reihe der anfliegenden Flugzeuge einreihen und konnten schließlich als Number 2 und Number 4 bei untergehender Sonne landen.

 

Tanken und Parken gestaltete sich problemlos. Zur Übernachtung wurde ein nahe gelegenes Hotel per booking.com ausgesucht und der Abend der ersten Etappe bei gutem Essen beendet.

 

Am zweiten Tag des Ausflugs war ein früher Start vorgesehen. Nach dem Erledigen des Papierkrams wie Landegebühr und Parkgebühr ging es los. Die Route stand fest und sollte vor der Regenfront nach Marseille führen. Die ersten Niederschläge waren für 12 Uhr prognostiziert. Die Wettervorhersage ließ noch weitere 2 Stunden Zeit für einen VFR Flug nach Süden zu, während der Süden deutlich später von der Wetterfront erreicht werden sollte.

 

Die Regenfront verhielt sich vorhersagegemäß, so dass ein Abstecher in die Richtung Alpen eingebaut wurde. Grenoble Le Versoud LFLG liegt hinter einem massiven Bergrücken von über 6000 Fuss. Das heißt ein Einfliegen in das Tal der Isère mit anschließendem Überflug des Platzes in Grenoble lässt eine Art  „Alpenfeeling“ aufkommen und begeistert mit dem Panorama der Berge, die auch hier schon teilweise höher als die Flugroute sind.

 

Das Wetter blieb gut, die Kontroller sind freundlich. So geht es zurück auf die geplante Route, weiter Richtung Mittelmeer. Als Flughafen wurde nicht Marseille ausgesucht. Auch Marseille Provence sollte nicht angeflogen werden, da das dort obligatorische Handling immer viel Zeit kostet.

 

Ziel war Aix Les Mille LFMA, das optimale Voraussetzungen versprach. Der Anflug nach LFMA wirkt kompliziert, muss man doch bis zu 4 RESTRICTED AREAS durchfliegen. In einem solchen Fall ist eine strikte Einhaltung der Flugplanung von Vorteil, da es dann keine weiteren Überraschungen geben sollte.

 

Aber auch hier erwiesen sich alle Sorgen als unnötig. Mithilfe von FIS war ein direkter Anflug in der gewünschten Höhe problemlos möglich. FIS hatte offensichtlich eine umfassende Radarabdeckung und wusste immer genau wo wir waren. So übergab uns FIS Marseille punktgenau an den Tower, der uns in den Gegenanflug leitete.

 

Auch an diesem Platz war reger Flugverkehr, so dass wir einen langen DOWNWIND fliegen mussten, um ein Strahlflugzeug vor uns landen zu lassen.

 

Zufrieden mit unserer fliegerischen Leistung konnten wir unsere Flugzeuge tanken und parken. Es war extra ein junger Franzose gekommen, um uns das Tanken ohne Total Card zu ermöglichen. Dies hatten wir bereits am Freitagmorgen telefonisch organisiert. Auch die Zeitvorgabe für das Tanken bis 13 Uhr am Samstag konnte von uns genau eingehalten werden. Diese Information hatten wir telefonisch erhalten. Mit einem Telefonanaruf auf dem Handy überzeugte sich der Franzose (ein erneuter Anruf in der Luft), ob wir auch wirklich kommen. Andernfalls wäre er wohl zuhause geblieben. Nach dem Tanken verabschiedete er sich und bot uns seine Handynummer an. Falls wir ein Problem hätten, sollten wir ihn anrufen. Toller Service.

 

Die Flugzeuge wurden geparkt. Da wir wie geplant die erwartete Regenfront abwarten wollten, haben wir uns entschlossen, in Marseille zu übernachten. Mit dem Taxi ging es nach Marseille, wo wir erneut mit booking.com eine Übernachtungsmöglichkeit finden konnten. Das Hotel lag direkt am zentralen Bahnhof.

 

Zu Fuß ging es zum Hafen, wo wir an der Uferpromenade einen Drink und einen kleinen Imbiss einnahmen. Danach wurde mit der Touristen-Bimmelbahn der Hügel zur „Église de Notre-Dame de la Garde“ von 1864 erklommen. Kultur war angesagt, während draußen sich der Himmel immer weiter zuzog.

 

Erst bei der Rückfahrt fing es gegen Abend an zu regnen. Unter einer überdachten Terrasse haben wir dann das wohlverdiente Abendessen eingenommen. Erwartungsgemäß fing es stärker an zu regnen. Nach einem weiteren „Regendrink“ ging es dann halbwegs trocken zum Hotel zurück.

 

Der Regen hörte auf über Nacht und wir fuhren mit dem Taxi zurück zu unserem Flugplatz nach Aix. Das Wetter war trübe und tiefe Wolken machten es notwendig, dass wir warten mussten. Aber die ersten Vögel flogen schon, so dass eine schnelle Wetterbesserung in Sicht war. Die Fallschirmspringer am Platz bereiteten Zuversicht und berichteten, dass es für sie um 11 Uhr in die Luft geht. Mit einer Verzögerung von einer halben Stunde gegenüber der Wettervorhersage lösten sich die tiefen Wolken auf und wir konnten um 10:30 Uhr starten. Wie die lokalen Fallschirmspringer mitteilten, verschwindet die Bewölkung innerhalb einer halben Stunde, wenn es erst einmal losgeht.

 

Wir bekamen einen Direktabflug nach Norden und nahmen erneut Kontakt mit FIS Marseille auf. Alle RESTRICTED AREAS waren wieder problemlos und wir konnten oberhalb einer Wolkengrenze nach Norden fliegen. Die Alpen lagen unter dichten Wolken, das französische Flachland Richtung Rhône und Lyon war fast wolkenfrei.

FIS war äußerst klar und deutlich in Frankreich zu verstehen und bereitete auch wegen des französischen Akzents keinerlei Probleme. So wurde auf dem gesamten Rückweg der Funk vom fliegenden Piloten (PIC) problemlos mit durchgeführt. (Etwas langweilig für den Copiloten.)

 

Bei unserem Weiterflug nach Norden ragte ein riesiges Bergmassiv aus der Wolkendecke über den Alpen heraus. Der Mont Blanc,4810 Meter hoch. Auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien liegend überragt er majestätisch alles und es reizte ungemein, ihn zu umfliegen. Das war leider nicht möglich, aber der Mont Blanc bot sich als imposantes Ziel des nächsten AusFluges an.

 

 

Im weiteren Anflug auf Lyon Bron hörten wir ATIS ab (extrem schwer zu verstehen). Dass wir dabei die Rufe von Lyon Information nicht hörten soll hier mal unerwähnt bleiben. Der Kontroller freute sich, als wir endlich wieder mitbekamen, dass es uns gerufen hatte. Er teilte uns so gerade noch rechtzeitig mit, dass wir tunlichst die Flughöhe reduzieren sollten, um nicht in die TMA 3 von Lyon (St. Exupery) zu kommen. Diese beginnt bei 1000 ASFC. Immerhin hatten wir die zuständige Frequenz gerastet (135.2). In unserem Track ist diese kleine Episode als deutlicher Schlenker zu erkennen und wir konnten dank des freundlichen Kontrollers eine Luftraumverletzung bei Anneyron vermeiden.

 

Wir mussten uns weiter westlich halten und bekamen einen Anflug auf Lyon Bron über den westlichen Meldepunkt SA. Ab diesem Meldepunkt wurden wir an den Tower weitergereicht.

 

Ein ausgefranster Wolkenfetzen lag auf unserer Anflugroute, stellte jedoch keine Problem dar. Wir bekamen eine Freigabe zum Einfliuegen in die Kontrollzone und bekamen ein Routing zum Überfliegen des Towers, einem Midfield-Crossing in den right hand downwind hinein. Im kurzen Endteil bekamen wir unsere Landefreigabe.

 

Die Landung war problemlos und nach einem kurzen Tankstopp, der Aufgabe des Flugplanes und einem Wetterbriefing mit der Flugwetterzentrale in Deutschland machten wir uns wieder auf den Rückweg nach Saarlouis.

 

Die möglichen Alternativen in Metz oder Dijon zum Tanken zu landen wurden vom Wetterdienst wegen Nebel in den Flusstälern für schlecht befunden. So blieb der Rückflug nach Saarlouis mit dem dortigen bewährten Tankstopp. Erneut wurden die Piloten getauscht und es ging zurück nach Deutschland.

 

Nach einem problemlosen Tankstopp ging es bei bestem Rückseitenwetter weiter nach Deutschland. Der geplante Durchflug durch die Kontrollzone von Köln wurde fallen gelassen, da FIS Langen über Funk extrem professionell die Außenlandung eines Fliegers wegen Motorproblemen begleiten musste. Der Pilot wurde äußerst ruhig mit wichtigen Informationen versorgt (Landemöglichkeit, ruhige Steuerbewegungen, nicht zu langsam fliegen usw.), die in einer solchen Situation sicherlich hilfreich sind. Offensichtlich werden derartige Situationen intensiv geschult.

 

Zusätzlich wurde ein Flugzeug, das sich offensichtlich in der Nähe befand zur Landestelle geleitet, um visuelle Informationen zu erhalten. Abschließend gab es eine Meldung von Langen Information, dass die Außenlandung gut verlaufen sei: ohne (erkennbare) Schäden bei Mensch und sogar Maschine. Der Kollege scheint eine perfekte Außenlandung hinbekommen zu haben.

 

Dieser zweite Vereinsausflug des LSC war wieder voller fliegerischer und wettertechnischer Erfahrung. Die nächsten Ziele für 2018 sind unerschöpflich und bereits angedacht. Die Piloten freuen sich auf den nächsten AusFlug zum Mont Blanc oder wohin auch immer. (WK)

©W.Kemper

Hier ein paar Eindrücke von unserem schönen Ausflug

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